Die Piz Nair-Bahn nimmt wieder Fahrt auf
Dank dem Einlenken der Kreditgeber ist das Unternehmen finanziell saniert
Auf die Wintersaison 2002/03 konnte die AG Luftseilbahn Corviglia-Piz Nair (LCPN) eine neue Pendelbahn auf den Piz Nair in Betrieb nehmen. Eine moderne Bahn, eine schöne Bahn, eine teure Bahn aber auch. Zu teuer für die Gesellschaft, wie sich rasch einmal zeigte. Die Investitionen von rund 15 Millionen Franken lasteten in der Folge schwer auf dem Unternehmen. Selbst in besten Geschäftsjahren reichte der Cashflow nicht aus, um den Kapitaldienst zu bestreiten oder Amortisationen auf dem Anlagevermögen zu tätigen, ohne einen Substanzverlust zu erleiden.
In der Folge verschlechterte sich die Liquiditätslage zusehends und der Zusatz im Bericht der Revisionsstelle, dass die weitere Sicherstellung der Liquidität von einer erfolgreichen Umschuldung abhänge, wurde zum Dauerbegleiter im Jahresbericht.
Im vergangenen Jahr schliesslich übernahm Ingenieur und Betriebswirtschafter Bruno Melnik das Zepter am Piz Nair als Verwaltungsratspräsident. Die Verwaltung und Geschäftsleitung der LCPN wurde mit jener der Corvatsch AG zusammengelegt. Dass Melnik am Piz Nair einen schlecht geführten und organisierten Betrieb antraf, sagte er an der Generalversammlung zwar nicht direkt, er liess es aber zumindst durchblicken. Auch im Geschäftsbericht ist die Rede von einer «Vielzahl von Bereinigungserfordernissen mit entsprechendem internem Zusatzaufwand». An der Generalversammlung sprach Melnik von einer «nicht verlässlichen Debitoren- und Kreditorenbuchhaltung».
Entschuldung war nötig
Während das Schiff betrieblich wieder flott gemacht werden konnte, musste das Thema der Entschuldung des Unternehmens angegangen werden. Dass dies dringend nötig war zeigt nur schon ein Blick in die Jahresrechnung 2007/08. In einer von den äusseren Bedingungen her guten Saison resultierte ein Verlust von knapp 480 000 Franken. 400 000 Franken mehr wären es gewesen bei einer nur durchschnittlichen Saison. «So konnte es nicht mehr weitergehen», sagte Melnik zu den nur 26 anwesenden Aktionären.
So wurden mit der Haupt-Kreditgeberin, der Credit Suisse, Verhandlungen geführt, die im Ergebnis endeten, dass die CS auf 30 Prozent ihrer Forderung, insgesamt 3,3 Millionen Franken, verzichtete. Weitere 0,4 Millionen Franken, ebenfalls ein Abschreiber von 30 Prozent, steuerte Verwaltungsratsmitglied Alois Jurt bei. Insgesamt konnte so das Darlehen von 12 Mio. auf 8,3 Mio. reduziert werden. Die CS und Jurt traten ihr Darlehen den Hauptgeldgebern, der Familie Niarchos ab, diese wiederum lässt den Betrag als Darlehen zu Gunsten der LCPN stehen.
Existenz gesichert
«Dank dieser Lösung kann die Zinslast für die LCPN um 40 Prozent verringert werden, das bedeutet für die Gesellschaft die Existenzsicherung», sagte Melnik. Und bringe dem Aktionär den Vorteil, dass seine Papiere nun wieder einen Wert hätten. «Vor der Sanierung waren sie schlicht wertlos.»
An einer ausserordentlichen Generalversammlung im Sommer dieses Jahres soll eine Aktienkapitalerhöhung beschlossen werden. Für die um 3,7 Millionen Franken reduzierte Darlehensschuld soll die Hauptgeldgeberin Aktien erhalten.
An dieser Generalversammlung soll auch darüber informiert werden, wie es mit der Gesellschaft weitergeht. Nachdem die Überlebensfähigkeit der Piz Nair-Bahn sichergestellt sei gehe es nun darum, die strategische Positionierung zu definieren, sagte Melnik, ohne konkreter zu werden.
Die statutarischen Geschäfte der Generalversammlung wurden ohne Opposition und Wortmeldungen erledigt. Der Jahresverlust wurde auf neue Rechnung vorgetragen, der Bilanzverlust beträgt mittlerweile 1,2 Millionen Franken. Im vierköpfigen Verwaltungsrat wurde William Guiness aus London für drei weitere Jahre bestätigt.
Author: Reto Stifel