25.04.2009

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7500 St. Moritz
Eintrag vom
24.04.2009 15:31 Uhr
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Engadiner Post
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Mit dem Zug vom Engadin ins Vinschgau?

Eine Initiativgruppe will einen Bahntunnel von Scuol nach Mals bauen

Stellen Sie sich vor: Sie steigen in Zürich in den Zug ein, kutschieren über Landquart durchs Prättigau und durch den Vereina-Tunnel ins Engadin. Von da rollt der Zug zügig weiter und führt bei Scuol in den nächsten Tunnel. Das Licht erblicken Sie in Mals im südtirolischen Vinschgau wieder. Da steigen Sie um und düsen dirket weiter bis nach Venedig. Und stellen Sie sich vor: Für diese Reise durch die Ostalpen brauchen sie lediglich viereinhalb Stunden.
Diese Vision von einer Bahnverbindung Engadin–Vinschgau verfolgt eine Initiativgruppe mit namhaften Politikern aus Südbünden und dem Südtirol sowie mit weiteren Persönlichkeiten der Region. Die Idee kam auf, als 2005 die Vinschgaubahn von Meran nach Mals neu gebaut und wieder in Betrieb genommen wurde. Dieses Eisenbahnnetz liegt damit lediglich 20 Kilometer Luftlinie von Scuol und der Vereina-Strecke entfernt.

Fünf Varianten

Der Kanton Graubünden und die italienische Provinz Bozen/Südtirol gaben in der Folge eine Machbarkeitsstudie in Auftrag, die eine Tunnelverbindung der beiden Schienennetze prüfen soll. Fünf Varianten, wie diese zukünftige und bedeutende West-Ost-Bahnstrecke erfolgen könnte, kamen dabei heraus (siehe Grafik). Wegen den enormen Kostenschätzungen, die 900 Millionen bis 1,7 Milliarden Franken betragen, wurde das Projekt in der Schublade versorgt.
Die angesprochene Initiativgruppe hat das Projekt aber wieder auf den Tisch gebracht und will, dass eine offene Diskussion geführt wird, ob eine Bahnverbindung Engadin–Südtirol gewünscht und realisierbar ist. «Wenn man sieht, was für Beträge derzeit für Konjunkturprogramme ausgegeben werden, ist eine Milliarden-Investition auf einmal nicht mehr dermassen viel Geld, wie es vor einigen Jahren noch den Anschein hatte.» Diese Meinung vertritt Georg Fallet, Grossrat aus Val Müstair und Mitglied der Initiativgruppe. Er bedauert, dass das Bahnprojekt noch nicht ausgereift genug ist, um schon jetzt beim Bund vorstellig werden zu können. Weitere Mitglieder der Initiativgruppe sind zum Beispiel der Gemeindepräsident von Scuol und Grossrat Jon Domenic Parolini, der Bündner Nationalrat Andrea Hämmerle, der St. Moritzer alt Kurdirektor Hanspeter Danuser oder Silvio Fasciati, ehemaliger Direktor der RhB.
Sie sind alle überzeugt, dass diese Netzverbindung auf eine grosse Nachfrage stossen würde. Dies belege zum Beispiel die rege Nutzung der Postautolinie von Zernez nach Mals, die 2005 bei der Vinschgaubahn-Eröffnung ebenfalls in Betrieb ging. Rund 40000 Passagiere pro Jahr nutzen das Angebot, wie eine Statistik des Amts für Energie für Verkehr Graubünden zeigt.

Die Leute informieren

Eine engere Zusammenführung des Engadins, Val Müstair und Vinschgaus würde der Region viel volkswirtschaftlichen Nutzen bringen, wie es ein Bericht der Initiativgruppe steht: Die Talschaften würden in Pendlerdistanz liegen und der touristische Verkehr der beiden Ferienregionen würde belebt. «Die Bahnverbindung hat aber auch internationale Bedeutung, denn sie verbindet das schweizerische Mittelland mit der Region Venedig», sagt Fallet.
Die Gruppe ist zurzeit auf Informationstour und erläutert den lokalen Politikern (Kreisräte, Gemeindepräsidenten etc.) der betroffenen Regionen das Bahnprojekt. «Wir wollen spüren, was die Leute darüber denken. Denn ohne Unterstützung der Basis kann das Projekt dem Kanton und Bund nicht schmackhaft gemacht werden», weiss Fallet.

Gründung eines Komitees

Am kommenden Donnerstag präsentieren der Münstertaler Grossrat Georg Fallet und der Churer Raumplaner Erwin Bundi das Projekt dem Kreisrat Oberengadin. Im Südtirol, Prättigau, Unterengadin und dem Val Müstair wurden die Politiker bereits informiert. «Es gab viele positive Stimmen, die uns unterstützen wollen. Nun hoffen wir, dass die Bahnverbindung auch im Oberengadin positiv aufgenommen wird», sagt Bundi.
In einem zweiten Schritt geht es der Initiativgruppe darum, die Öffentlichkeit zu informieren. Dazu ist die Gründung eines Aktionskomitees geplant, die am 26. Mai erfolgen soll.
«In zwei Jahren brauchen wir einen Entscheid für eine der fünf Varianten», sagt Fallet zum weiteren Vorgehen. Sich auf eine Variante zu einigen wird aber nicht leicht, denn es können nicht alle Bedürfnisse erfüllt werden. Erst danach können Details geklärt werden. Zum Beispiel: Wer betreibt die Bahn? Wie wird das Problem gelöst, dass die RhB und die Vinschgaubahn nicht die gleiche Spurbreite haben? Bis die Bahnverbindung eröffnet werden kann, dauert es dann noch 15 bis 20 Jahre. «Wenn wir jetzt nichts machen, passiert nie etwas», gibt sich Fallet kämpferisch.

Author: Franco Furger

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